Microsoft stellt Copilot Cowork auf ein nutzungsbasiertes Abrechnungsmodell um. Genau genommen ist es nicht mehr nur „bald“: Copilot Cowork ist seit dem 16. Juni 2026 allgemein verfügbar, und die Abrechnung über Copilot Credits hat offiziell begonnen. Für Organisationen aus dem Frontier-Programm gibt es eine Übergangsfrist bis zum 1. Juli 2026.
Was ist Copilot Cowork?
Copilot Cowork ist nicht einfach nur ein Chatbot. Es ist ein agentisches System innerhalb von Microsoft 365, das Aufgaben tatsächlich ausführen kann: E-Mails erstellen oder senden, Meetings planen, Dokumente erzeugen, Teams-Nachrichten posten, Kalender verwalten, Dateien durchsuchen und komplexere Arbeitsaufträge über mehrere Schritte hinweg bearbeiten. Wichtig: Kritische Aktionen, etwa das Senden einer E-Mail oder das Anlegen eines Termins, müssen vom Benutzer freigegeben werden.
Damit wird Cowork eher zu einem digitalen Mitarbeiter-Assistenten als zu einem klassischen Copilot-Chat. Genau deshalb führt Microsoft eine verbrauchsabhängige Abrechnung ein: Je mehr Arbeit Cowork erledigt, desto mehr Credits werden verbraucht.
Das neue Prinzip: Bezahlt wird nach Arbeit, nicht pauschal
Die neue Einheit heißt Copilot Credit. Microsoft beschreibt Copilot Credits als gemeinsame Verbrauchswährung für verschiedene Microsoft-AI-Dienste, darunter Copilot Cowork, Copilot Studio, Dynamics-365-Agenten, Power-Platform-Workloads und Work IQ APIs. Die Credits werden auf Mandantenebene gepoolt; die Gesamtkosten entstehen aus der Summe der verbrauchten Credits.
Für Cowork hängt der Verbrauch im Wesentlichen von vier Kostentreibern ab:
| Kostentreiber | Bedeutung |
| Modelle | Welches KI-Modell für die Aufgabe genutzt wird |
| Runtime | Cloud-Orchestrierung, die den Agenten arbeiten lässt |
| Kontext | Zugriff auf E-Mails, Dateien, Meetings, Kalender, Personen und Organisationswissen |
| Tools | Aktionen wie E-Mail senden, Termin erstellen, Dokument bearbeiten oder Dateien verwalten |
Microsoft selbst sagt klar: Die Kosten pro Aufgabe variieren je nach Modellnutzung, Kontextabruf, Tool-Aufrufen und Laufzeit.
Was kostet ein Copilot Credit?
Die wichtigste Zahl lautet:
| Modell | Preis |
| Pay-as-you-go | 0,01 USD pro Copilot Credit |
| Pre-Purchase Plan P3 | Rabattierter Vorabkauf je nach Volumen |
Beim Pay-as-you-go-Modell wird am Monatsende nach tatsächlichem Credit-Verbrauch abgerechnet. Es gibt keine Vorabverpflichtung. Microsoft nennt dafür ausdrücklich 0,01 USD pro Copilot Credit. Alle Preise im Microsoft Copilot Credits Guide sind in USD angegeben und können sich ändern.
Beim Pre-Purchase Plan P3 kauft ein Unternehmen Credits für ein Jahr im Voraus. Nicht genutzte Credits verfallen am Ende der Laufzeit. Je größer das Paket, desto höher der Rabatt.
| P3-Stufe | Credits pro Jahr | Rabatt | Effektiver Preis pro Credit |
| 1 | 300.000 | 5 % | ca. 0,0095 USD |
| 2 | 1.500.000 | 6 % | ca. 0,0094 USD |
| 3 | 3.000.000 | 7 % | ca. 0,0093 USD |
| 4 | 15.000.000 | 8 % | ca. 0,0092 USD |
| 5 | 30.000.000 | 10 % | ca. 0,0090 USD |
| 6 | 75.000.000 | 12 % | ca. 0,0088 USD |
| 7 | 150.000.000 | 14 % | ca. 0,0086 USD |
| 8 | 225.000.000 | 17 % | ca. 0,0083 USD |
| 9 | 300.000.000 | 20 % | ca. 0,0080 USD |
Was kostet eine Cowork-Aufgabe konkret?
Microsoft unterscheidet zur Orientierung zwischen leichten, mittleren und schweren Cowork-Aufgaben. Das sind Planungswerte, keine Festpreise.
| Szenario | Beispiel | Credit-Verbrauch | Kosten bei Pay-as-you-go |
| Light | Wöchentliches Statusupdate vorbereiten, Kalender prüfen, Entwurf erstellen | 70–200 Credits | ca. 0,70–2,00 USD |
| Medium | Kundenmeeting vorbereiten, E-Mails, Kalender, CRM-Daten und Dateien zu einem Briefing zusammenführen | 400–600 Credits | ca. 4,00–6,00 USD |
| Heavy | Sechs Monate Produktnutzungsdaten analysieren, Muster erkennen, Management-Auswertung erstellen | >1.500 Credits | >15,00 USD |
Diese Werte stammen aus Microsofts Copilot Credits Guide und sind ausdrücklich grobe Planungswerte. Die echten Kosten hängen von Workflow, Datenmenge, Modell, Tool-Aufrufen und Nutzungsverhalten ab.
Wichtig: Cowork ist nicht automatisch in Microsoft 365 Copilot enthalten
Das ist der entscheidende Punkt, den viele falsch verstehen: Eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz ist Voraussetzung für Copilot Cowork, aber Cowork bringt laut Microsoft keine enthaltenen Cowork-Credits mit. Cowork wird zusätzlich nach Verbrauch abgerechnet.
Microsoft 365 Copilot Business wird auf der Microsoft-Preisseite beispielsweise mit 25,20 USD pro Benutzer und Monat bei monatlicher Verpflichtung angezeigt; zusätzlich ist ein qualifizierender Microsoft-365-Plan erforderlich. Preise können je nach Markt, Vertrag, Laufzeit und Reseller abweichen.
Die nüchterne Wahrheit: Wer Cowork produktiv nutzt, zahlt nicht nur die Copilot-Lizenz. Die eigentliche Überraschung liegt im Verbrauch. Ein paar leichte Aufgaben sind harmlos. Viele mittlere oder schwere Aufgaben pro Benutzer und Monat können schnell deutlich teurer werden als die eigentliche Copilot-Lizenz.
Beispielrechnung für ein kleines Pilotteam
Angenommen, 10 Personen nutzen Cowork regelmäßig:
| Nutzung pro Monat | Annahme | Credits | Kosten |
| 10 Light-Aufgaben je Benutzer | 10 × 10 × 150 Credits | 15.000 | 150 USD |
| 5 Medium-Aufgaben je Benutzer | 10 × 5 × 500 Credits | 25.000 | 250 USD |
| 1 Heavy-Aufgabe je Benutzer | 10 × 1 × 1.500 Credits | 15.000 | 150 USD |
| Summe | | 55.000 Credits | 550 USD/Monat |
Das ist kein Microsoft-Angebot, sondern eine einfache Beispielrechnung auf Basis des Pay-as-you-go-Preises von 0,01 USD pro Credit und der Microsoft-Planungswerte für Light, Medium und Heavy Tasks.
Wie Unternehmen die Kosten steuern können
Microsoft liefert mit dem neuen Modell auch neue Steuerungsmöglichkeiten. Im Microsoft 365 Admin Center können Administratoren Cowork aktivieren, den Zugriff steuern, Budgets setzen, Warnungen konfigurieren und Limits auf Mandanten-, Gruppen- oder Benutzerebene definieren. Cowork ist laut Microsoft standardmäßig deaktiviert; Admins entscheiden, wann und für wen es eingeschaltet wird.
Sinnvolle Maßnahmen für Unternehmen:
- Nicht sofort für alle aktivieren.
Starten Sie mit einer Pilotgruppe, etwa Vertrieb, Projektleitung, Legal, HR oder Management Assistants. - Budget pro Gruppe definieren.
Ein Vertriebsteam mit hohem Kundenmeeting-Aufkommen wird mehr Credits verbrauchen als ein kleines internes Team. - Heavy Use Cases separat prüfen.
Datenanalysen, lange Recherchen, komplexe Dokumenterstellung und viele Tool-Aufrufe treiben die Kosten. - Nutzung regelmäßig auswerten.
Microsoft stellt Reporting nach Benutzer, Gruppe, Agent und Service bereit. Dadurch lässt sich erkennen, wer oder welcher Workflow die Credits verbraucht. - Prepaid erst nach Pilotphase kaufen.
Pay-as-you-go ist sinnvoll zum Testen. Pre-Purchase lohnt sich erst, wenn ein realistischer Verbrauch bekannt ist.
Abgrenzung zu Copilot Studio
Copilot Credits gelten nicht nur für Cowork. Auch Copilot-Studio-Agenten werden über Credits abgerechnet. Dort sind die Raten transparenter auf einzelne Agentenfunktionen heruntergebrochen:
| Copilot-Studio-Funktion | Credit-Verbrauch |
| Klassische Antwort | 1 Credit |
| Generative Antwort | 2 Credits |
| Agentenaktion | 5 Credits |
| Tenant Graph Grounding | 10 Credits |
| Agent Flow Actions pro 100 Aktionen | 13 Credits |
| Content Processing pro Seite | 8 Credits |
| GenAI Voice | 35 Credits pro Minute |
| Premium GenAI Voice | 75 Credits pro Minute |
Fazit: Copilot Cowork wird mächtig, aber nicht billig
Copilot Cowork ist ein großer Schritt weg vom klassischen Chat und hin zu echter KI-Assistenz, die Aufgaben selbstständig plant und ausführt. Genau deshalb ist das neue Abrechnungsmodell nachvollziehbar: Microsoft rechnet nicht mehr nur Benutzerlizenzen ab, sondern die tatsächlich geleistete KI-Arbeit.
Für Unternehmen bedeutet das: Cowork kann viel Zeit sparen, aber ohne Kostensteuerung wird es schnell teuer. Die Frage ist nicht mehr nur „Haben wir Copilot-Lizenzen?“, sondern: Welche Aufgaben lassen wir Cowork erledigen, wie oft, für wen und mit welchem Budget?
Meine Empfehlung: Cowork nicht blind ausrollen. Erst Pilotgruppe definieren, reale Use Cases testen, Credit-Verbrauch messen, Budgets setzen und dann entscheiden, ob Pay-as-you-go reicht oder ein Pre-Purchase-Modell günstiger ist.